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Konflikte in der Klasse erkennen und begleiten – mein Vorgehen

3. Mai
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 14. Mai

In unserer Arbeit gehört es oft dazu, Konflikte zwischen Schülern oder innerhalb der Klasse zu analysieren und einzuschätzen, ob es sich tatsächlich um einen Konflikt oder lediglich um ein Missverständnis handelt. Heute möchte ich euch einen Einblick geben, wie ich dabei vorgehe und zusätzlich stelle ich euch zum ersten Mal auf meinem Blog eine Vorlage für Klassenbeobachtungen zur Verfügung, die ihr frei verwenden könnt.

Gerade im schulischen Alltag entstehen viele Situationen, die auf den ersten Blick wie ein „großer Konflikt“ wirken, sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Kommunikationsproblem, Rollenverteilung innerhalb der Klasse oder als Ausdruck individueller Bedürfnisse herausstellen. Genau deshalb ist es so wichtig, nicht vorschnell zu handeln, sondern strukturiert und professionell vorzugehen.

Mein Vorgehen

Oft kommen Lehrkräfte auf mich zu mit dem Satz: „Vanessa, in der Klasse gibt es einen Konflikt und einige Schüler fühlen sich unwohl.“ Diesen Satz kennen wir sicherlich alle und genau hier beginnt für mich nicht direkt die „Lösung“, sondern erstmal das Verstehen der Situation. Denn hinter diesem einen Satz können sich ganz unterschiedliche Dynamiken verbergen:


  • unterschwellige Spannungen innerhalb von Gruppen

  • einzelne Schüler, die sich ausgeschlossen fühlen

  • Kommunikationsprobleme

  • oder auch einfach ein herausfordernder Tag


Mein Ziel ist es daher immer, nicht nur das sichtbare Verhalten zu betrachten, sondern auch die Ursachen dahinter zu erkennen.


Informationssammlung


Zunächst spreche ich mit der Lehrkraft/Klassenleitung, um Details zu erfahren: Seit wann gibt es die Situation? Welche Schüler sind betroffen? Wie ist der Konflikt aufgefallen? Gibt es Hinweise von Kolleginnen?


Zusätzlich achte ich hier besonders auf die Perspektive der Lehrkraft: Wie wird die Situation wahrgenommen? Gab es bereits Versuche, einzugreifen? Welche Strategien haben vielleicht schon funktioniert oder auch nicht?


Diese erste Einschätzung hilft mir, ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es sich eher um eine akute Situation oder einen länger bestehenden Prozess handelt.


Abgleich mit der Schulpsychologin


Ich kontaktiere kurz die Schulpsychologin, um zu prüfen, ob sie von Konflikten mit einzelnen Schülern oder der Klasse bereits weiß. Gerade dieser Schritt ist oft unterschätzt aber unglaublich wertvoll. Häufig gibt es bereits Hintergrundinformationen, die im Alltag nicht sofort sichtbar sind, zum Beispiel individuelle Belastungen einzelner Schüler oder bereits bekannte Gruppendynamiken.


Weitere Lehrkräfte oder Klassenbeobachtung


Je nach Informationslage spreche ich ggf. weitere Lehrkräfte an oder vereinbare einen Termin für eine Klassenbegleitung, um die Dynamik selbst zu beobachten. Hier zeigt sich oft ein spannendes Bild: Manche Klassen verhalten sich je nach Fach oder Lehrkraft komplett unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, verschiedene Perspektiven einzubeziehen und nicht nur eine Momentaufnahme zu bewerten.


Mein Klassenbeobachtungsbogen

Für die Beobachtung habe ich einen Klassenbeobachtungsbogen entwickelt, in dem ich unter anderem notiere:


  • Verhalten der Schüler beim Betreten des Klassenzimmers:

Hier zeigen sich oft schon erste Hinweise:Wer kommt gemeinsam rein?Wer bleibt eher für sich?Gibt es direkt Unruhe oder wirkt die Klasse eher ruhig?


  • Interaktionen während des Unterrichts und in Pausen:

Ich achte besonders darauf, wer mit wem kommuniziert, ob es feste Gruppen gibt und ob einzelne Schüler außen vor bleiben.


  • Reaktionen auf Lehrkräfte und Mitschüler

Hier wird sichtbar, wie stabil die Beziehungsebene ist: Wird auf Anweisungen reagiert? Gibt es Widerstände? Wie respektvoll ist der Umgang?

  • Auffälligkeiten oder wiederkehrende Verhaltensmuster

Wiederholungen sind oft der Schlüssel:E in einmaliges Verhalten ist selten aussagekräftig – Muster hingegen schon. Zusätzlich spreche ich kurz mit 1–2 Schülern, um ihre Sicht zu erfahren. Meist ist ein Schüler dabei, der mich bereits kennt und offen über die Situation spricht. Nach der Stunde bespreche ich meine Beobachtungen mit der Lehrkraft, entweder direkt oder zu einem späteren Zeitpunkt in einem kurzen Gespräch. Diese Schülerperspektive ist für mich besonders wertvoll, da sie oft Dinge ans Licht bringt, die im Unterricht nicht sichtbar sind und beispielsweise Konflikte aus den Pausen oder sozialen Medien.


  • Umgang mit Konflikten:

Oft handelt es sich um kleinere Streitigkeiten oder typische Pubertätsverhalten. In solchen Fällen gebe ich der Gruppe eine kurze Rückmeldung und bespreche mögliche Lösungen. Bei größeren Klassengemeinschaftsthemen arbeite ich eng mit den Lehrkräften zusammen und begleite die Klasse in gezielten Stunden, um das Miteinander wieder zu stärken und respektvolles Verhalten zu fördern. Um zu wissen, welche Themen ich Stunde für Stunde bearbeite, wende ich mein geliebtes Problem- und Wünscheglas an. Hierzu habe ich euch bereits einen Blogbeitrag gemacht, schaut gerne rein!

Ergänzend dazu ist mir besonders wichtig: Konflikte sind nicht grundsätzlich „negativ“. Sie bieten auch immer eine Chance zur Entwicklung – sowohl für einzelne Schüler, als auch für die gesamte Klassengemeinschaft.


Wichtig ist nur, wie wir damit umgehen:

  • wertschätzend

  • lösungsorientiert

  • und ohne vorschnelle Bewertungen


Warum Beobachtung so entscheidend ist

Ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit ist die bewusste Zurückhaltung am Anfang. Nicht sofort eingreifen. Nicht sofort bewerten, sondern erstmal beobachten. Denn nur so lassen sich nachhaltige Lösungen entwickeln, die wirklich zur Klasse passen. Oft reicht schon eine kleine Veränderung z. B. in der Sitzordnung, der Ansprache oder den Strukturen, um eine große Wirkung zu erzielen.


Dein Werkzeug für die Praxis

Den Beobachtungsbogen stelle ich euch als PDF zur Verfügung. Ladet ihn gerne herunter, nutzt ihn in euren Klassen und schreibt mir, wie ihr Konflikte angeht oder wenn ihr Fragen habt!


Vielleicht hilft dir der Bogen dabei, mehr Klarheit in komplexe Klassensituationen zu bringen und Sicherheit in deinem Handeln zu gewinnen.


Denn genau darum geht es am Ende: Nicht perfekt zu handeln, sondern bewusst.



In Liebe

Eure Sozialpädagogin mit Herz (:


 
 
 

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