Konflikte in der 5. und 6. Klasse nachhaltig bearbeiten – eine bewährte Methode aus der Praxis
- 11. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Konflikte in Klassen verstehen und nachhaltig bearbeiten – meine Arbeit mit dem Problem- und Wunschglas
Oft werde ich gefragt, wie ich mit den vielfältigen Herausforderungen in Klassen umgehe, wenn mehrere Probleme gleichzeitig auftreten. Besonders in der 5. und 6. Jahrgangsstufe zeigen sich viele Themen, die Zeit, Struktur und eine nachhaltige Bearbeitung benötigen.
Nach dem Übergang von der Grundschule werden neue Klassenverbände gebildet. Die Schüler*innen kommen aus ganz unterschiedlichen schulischen und sozialen Kontexten: aus kleinen ländlichen Grundschulen oder aus größeren städtischen Schulen, mit jeweils sehr unterschiedlichen Erfahrungen, Gruppendynamiken und Entwicklungsständen. Gerade in den letzten Jahren erlebe ich, dass die Reife, die sozialen Kompetenzen und die Belastungen der Kinder stark variieren. Um diese Vielfalt aufzufangen, arbeite ich mit einer Methode, die ich selbst entwickelt habe und die sich in meiner Praxis immer wieder bewährt: dem Problem- und Wunschglas.
Wiederkehrende Themen im Klassenkontext
Unabhängig von der Klasse begegnen mir jedes Jahr ähnliche Schwerpunkte, allerdings in ganz unterschiedlichen Ausprägungen:
Lautstärke
Klassen- und Gesprächsregeln
Beleidigungen
Klassengemeinschaft
Mädchen vs. Jungs
Diese Themen bilden häufig die Grundlage für Konflikte und Unruhe im Klassenverband. Genau hier setzt das Problem- und Wunschglas an.
Das Problem- und Wunschglas
Zu Beginn bringe ich ein einfaches Marmeladenglas sowie kleine Zettel mit in die Klasse und vereinbare gemeinsam mit den Schülern klare Regeln für die Stunde und erkläre den Ablauf. Die Kinder erleben von Anfang an Transparenz, Zusammenarbeit und Struktur.
Anschließend erhalten alle Schüler*innen Zettel, auf die sie anonym notieren dürfen:
drei Dinge, die sie aktuell an der Klasse stören
sowie Wünsche für meine Stunden, damit diese für sie angenehmer sind
Sobald alle fertig sind, sammeln wir die Zettel im Glas und ich erkläre den Kindern, dass sie ihre Sorgen und Wünsche symbolisch „abgeben“, das Päckchen liegt nun bei mir und nicht mehr allein auf ihren Schultern. Je nach Zeit und Wunsch der Klasse lese ich die Inhalte vor und sortiere sie gemeinsam mit den Kindern in thematische Kategorien (z. B. Lautstärke, Beleidigungen, Regeln). Oft wird dabei deutlich, dass viele ähnliche Bedürfnisse haben und eigentlich alle dasselbe Ziel verfolgen: eine ruhigere, respektvolle und angenehmere Klassengemeinschaft. Die inhaltliche Vertiefung erfolgt anschließend Schritt für Schritt in den folgenden Stunden. Auf Grundlage der gesammelten Themen plane ich gezielte Einheiten und bearbeite diese systematisch mit der Klasse.
Warum diese Methode so wirksam ist
Das Problem- und Wunschglas hilft, die tatsächlichen Hauptthemen einer Klasse sichtbar zu machen. Da die Kinder selbst benennen durften, was sie beschäftigt, sind sie meist sehr motiviert, aktiv an Veränderungen mitzuwirken, besonders in Kombination mit klarer Struktur und achtsamkeitsbasierten Elementen wie der AngelSilence. Ich arbeite dabei mit dem, was ich „liebevolle Strenge“ nenne: eine wertschätzende, humorvolle Beziehung zu den Kindern, gepaart mit klaren Regeln. Klassische Strafarbeiten wie Rote Karten, Hausordnung schreiben oder ähnliches vermeide ich bewusst. Bei Regelverstößen gibt es zeitlich begrenzte Dienste für die Klassengemeinschaft, etwa Stühle stellen, Tafel wischen oder Ordnung schaffen.
Diese Haltung wirkt sich nicht nur positiv auf das Klassenklima aus, sondern auch auf die Beziehung zwischen mir und den Schüler*innen. Die Kinder fühlen sich gesehen, ernst genommen und freuen sich auf die gemeinsamen Stunden, da sie einer Struktur folgen, welche für beide Seiten angenehm ist und genau das macht auch meine Arbeit so erfüllend.
Probiert das Problem- und Wunschglas gerne selbst aus und berichtet mir, welche Erfahrungen ihr damit macht! :)
Ich wünsche euch ein gutes neues Jahr – lasst uns 2026 gemeinsam weiter wachsen und Kinder und Jugendliche begleiten und stärken.
In Liebe eure Sozialpädagogin mit Herz :)




Kommentare