Mobbing oder Konflikt? So erkenne ich den Unterschied und warum das so wichtig ist
Kennst du diesen Moment, wenn eine Lehrkraft zu dir kommt und sagt: „Da läuft gerade etwas in der Klasse – ich glaube, da wird jemand gemobbt"? Und du weißt in diesem Moment noch gar nicht, womit du es wirklich zu tun hast? Genau hier beginnt für mich eine der wichtigsten Aufgaben in meiner Arbeit als Schulsozialpädagogin: "Erst verstehen, dann handeln." Denn Mobbing und Konflikt sind nicht dasselbe und dieser Unterschied entscheidet über alles, was danach kommt.
Eine Zahl, die mich nicht loslässt
Ich habe letztens einen sehr interessanten Beitrag zu den aktuellen Zahlen des Schulbarometers gelesen: Fast jedes dritte Kind zwischen 11 und 17 Jahren wird mindestens einmal im Monat in der Schule schikaniert, beschimpft, ausgeschlossen, bedroht oder durch Gerüchte verletzt. Jede:r Zehnte erlebt das sogar wöchentlich oder täglich. Das sind keine abstrakten Zahlen für mich. Dahinter stecken Kinder, die ich im Schulalltag sehe. Kinder, die schweigen... aus Scham, aus Angst, oder weil sie nicht glauben, dass es hilft, wenn sie reden. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir als pädagogische Fachkräfte genau hinschauen. Nicht erst dann, wenn es eskaliert.
Mobbing ist nicht nur ein Streit
Das ist der Satz, den ich mir am Anfang meiner Arbeit immer wieder bewusst machen musste. Denn im Alltag sehen viele Situationen auf den ersten Blick gleich aus: zwei Schüler streiten sich, jemand wird ausgeschlossen, es gibt Beleidigungen. Aber erst wenn ich genauer hinschaue, erkenne ich, womit ich es wirklich zu tun habe.
In meiner Praxis orientiere ich mich an Fragen, die ich bei jeder unklaren Situation überprüfe:
Ist das Verhalten absichtlich?: Mobbing passiert nicht aus Versehen. Es steckt eine gezielte Schädigungsabsicht dahinter.
Wiederholt es sich?: Ein einmaliger Vorfall ist noch kein Mobbing. Erst wenn sich das Verhalten regelmäßig wiederholt, überschreiten wir diese Grenze.
Gibt es ein Machtgefälle?: Zwischen den Beteiligten besteht ein deutliches Ungleichgewicht – körperlich, sozial oder auch im digitalen Raum.
Fühlt sich das betroffene Kind hilflos? Kann es die Situation nicht aus eigener Kraft verändern? Findet es keinen Ausweg?
Wenn ich all diese Fragen mit Ja beantworte, dann spreche ich nicht mehr von einem Konflikt, dann spreche ich von Mobbing. Ein normaler Konflikt hingegen ist oft gegenseitig, einmalig oder situativ und grundsätzlich lösbar, wenn beide Seiten dazu bereit sind.
Mein Entscheidungsweg in der Praxis
Je nach Antwort ergibt sich für mich ein ganz klares Bild und damit auch ein ganz anderes Vorgehen. Denn wer einen Konflikt wie Mobbing behandelt, verfehlt das Ziel und wer Mobbing als harmlosen Streit abtut, richtet unter Umständen großen Schaden an. Um in solchen Momenten strukturiert vorgehen zu können, verweise ich euch auf diesen hilfreichen Entscheidungsbaum, welchen ich bei meiner Recherche gefunden habe + weitere tolle Materialien für die Praxis, die ich euch sehr ans Herz legen kann: https://kmz-hok.taskcards.app/#/board/ceff9482-0b01-4400-8206-abb906f93dcb/view?token=d185b3fe-bdb1-4ac0-83af-6f4e8618db77
Was mich dabei besonders beschäftigt
Mobbing passiert größtenteils im Verborgenen. Egal ob auf dem Schulweg, in der Pause, über das Handy, viele Vorfälle kommen bei Lehrkräften gar nicht erst an. Bis wir etwas mitbekommen, läuft das oft schon eine Weile und das bedeutet für uns: Wir müssen lernen, die leisen Signale zu lesen: Verhaltensveränderungen, Rückzug, häufige Beschwerden über Bauchschmerzen vor der Schule, plötzlich keine Freunde mehr in der Pause und genau das sind Zeichen, die wir ernst nehmen sollten. Auch wenn noch nichts offen gesagt wurde.
Wie geht ihr vor, wenn ihr das Gefühl habt, dass mehr als ein normaler Streit hinter einer Situation steckt? Ich freue mich über eure Erfahrungen in den Kommentaren!
In Liebe
Eure Sozialpädagogin mit Herz (:




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