Gemeinsam wachsen – ein pädagogischer Tag, der in Erinnerung bleibt
- 18. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Gerade zu Beginn eines neuen Schuljahres gehört es zu unseren zentralen Aufgaben, die neuen fünften Klassen beim Ankommen zu begleiten und den Grundstein für eine tragfähige Klassengemeinschaft zu legen. Die Kinder kommen aus unterschiedlichen Grundschulen, bringen verschiedene Erfahrungen mit und müssen sich in einer neuen Umgebung erst orientieren. Erlebnispädagogische Elemente eignen sich hierfür besonders gut, da die Schüler*innen gemeinsam Erfahrungen sammeln, miteinander ins Handeln kommen und als Gruppe wachsen können. Heute möchte ich euch einen Einblick in meinen pädagogischen Tag geben, den ich für alle neuen fünften Klasse gestalten durfte.
Zu Beginn starteten wir in einem Gemeinschaftsraum mit einfachen, aktivierenden Gruppenspielen. Die Kinder sortierten sich beispielsweise nach Namen, Geschwistern, Haustieren oder Anfangsbuchstaben. Ergänzt wurde dies durch ein Vorstellungsspiel, bei dem sich jede*r mit einem Adjektiv beschreibt, etwa „die lustige Lisa“. Die nächste Person wiederholt den vorherigen Namen und ergänzt den eigenen: „Das ist die lustige Lisa und ich bin der mutige Max“. Dieses Spiel sorgt nicht nur dafür, dass sich die Namen schnell einprägen, sondern bringt auch Leichtigkeit und gemeinsames Lachen in die Gruppe, spätestens dann, wenn kreative Beschreibungen wie „die apfelstrudelliebende Anna“ entstehen. Die anfängliche Zurückhaltung wich spürbar einer gelösten Atmosphäre und die ersten Sympathien entstanden.
Ein gemeinsames, gesundes Frühstück durfte an diesem Vormittag ebenfalls nicht fehlen. Unterstützt von meinen Mediator*innen schnippelten wir Obst und Gemüse, während die Kinder miteinander ins Gespräch kamen. Beim Essen entstehen oft ganz selbstverständlich erste Freundschaften – ein Moment, der Gemeinschaft fördert, ohne dass es große Worte braucht.
Gestärkt ging es anschließend in den Park und dort erhielten die Kinder die Aufgabe, gemeinsam ein Klassennaturmandala zu gestalten. Die Vielfalt an bunten Blättern, Kastanien, Eicheln und Naturmaterialien bot beste Voraussetzungen für kreative Ergebnisse. Besonders spannend war dabei zu beobachten, wie sich Rollen innerhalb der Gruppe entwickelten: Ideengeberinnen, Sammlerinnen, Baumeisterinnen und kreative Gestalterinnen. In solchen Situationen wird sehr deutlich, wie Kinder kommunizieren, Verantwortung übernehmen und Aufgaben verteilen und ebenso, wer noch etwas Unterstützung oder Ermutigung benötigt.
Hier seht ihr eins unserer Kunstwerke:

Einige Tage später entdeckten die Kinder „ihr“ Mandala noch immer im Park. Voller Stolz erzählten sie mir, dass sie es ihren Familien gezeigt hatten. Auch ich selbst durfte während meinem Lauf beobachten, wie ein Vater mit seinem Kind stehen blieb und die bunten Kunstwerke betrachtete. Bis heute sprechen die Schüler*innen von diesem Erlebnis ... ein Zeichen dafür, wie nachhaltig gemeinsame Erfahrungen wirken können.
Zum Abschluss des Tages wartete noch ein besonderer Moment auf die Klasse. Jedes Kind durfte eine Kastanie behalten, die es bereits vor der Mandalaarbeit gesammelt hatte. Diese wurde Teil einer gemeinsamen Traumreise. in der es darum ging, dass eine Gruppe gemeinsame Hindernisse überwindet und dabei erkennt, dass unterschiedliche Stärken und Schwächen sich ergänzen und eine Gemeinschaft tragen können. Am Ende der Reise übertrugen die Kinder gedanklich auf ihre Kastanie, was sie im kommenden Schuljahr brauchen: Mut, Kraft, Vertrauen oder Ruhe. Im Kreis, mit geschlossenen Augen und an den Händen gehalten, gaben sie diese Stärke symbolisch an ihre Mitschüler*innen weiter. Es war ein berührender Moment zu sehen, wie sorgfältig die Kastanien anschließend im Federmäppchen verstaut wurden, als persönlicher Begleiter für das Schuljahr.
Dieser pädagogische Tag war etwas Besonderes. Es entstand nicht nur eine Klassengemeinschaft, sondern auch Freundschaften, gemeinsame Erinnerungen und ein wertvoller Raum für Kreativität, Achtsamkeit und gegenseitige Unterstützung.
Denn am Ende zählt nicht das Ergebnis eines Tages, sondern die Erinnerungen, die Kinder miteinander verbinden.
In Liebe eure Sozialpädagogin mit Herz (:




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