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Warum ich mich von meinen Schülern bewerten lasse

21. Juni
3 Min. Lesezeit

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und wenn ich ehrlich bin, frage ich mich, wie dieses Schuljahr so schnell umgehen konnte. Die letzten Projekte werden abgeschlossen, Zeugnisse stehen an und viele Schüler erhalten Rückmeldungen zu ihren Leistungen. Doch jedes Jahr stelle ich mir dabei dieselbe Frage: Warum sollten eigentlich nur Schüler*innen Feedback bekommen?

Schließlich sind wir als pädagogische Fachkräfte genauso Menschen, die sich weiterentwickeln, reflektieren und aus Erfahrungen lernen können und wer könnte unsere Arbeit besser beurteilen als die Menschen, mit denen wir das gesamte Schuljahr zusammengearbeitet haben. Genau deshalb gehört eine Evaluation mittlerweile fest zu meinem Schuljahresabschluss dazu.

Feedback von den wichtigsten Personen der Schule

Bevor die Klassen mit denen ich dieses Jahr besonders oft zusammengearbeitet habe, den Evaluationsbogen ausfüllen, sprechen wir zunächst gemeinsam darüber, warum wir diese Rückmeldung überhaupt durchführen. Ich erkläre den Schülern, dass ihre Meinung für mich wichtig ist und dass ich nur dann besser werden kann, wenn ich weiß, was ihnen geholfen hat, was ihnen gefallen hat und welche Wünsche sie vielleicht noch haben. Außerdem sage ich ihnen ganz bewusst, dass sie ehrlich sein dürfen. Es geht nicht darum, nette Antworten zu schreiben oder mir eine besonders gute Bewertung zu geben. Es geht darum, dass ihre Gedanken zählen. Dieser Moment sorgt oft für überraschte Gesichter. Viele Kinder und Jugendliche sind es nicht gewohnt, dass Erwachsene aktiv nach ihrer Meinung fragen und diese tatsächlich hören möchten.

Was frage ich eigentlich ab?

Mein Evaluationsbogen ist bewusst einfach gehalten und soll den Schülern Raum geben, ihre Gedanken frei zu äußern. Dabei beantworte jeder folgende Fragen:

  • Was hat dir an den Stunden am besten gefallen?

  • Was konntest du lernen?

  • Was wünschst du dir für die Zukunft?

  • Was möchtest du mir noch sagen?

Zusätzlich dürfen die Schüler mir eine "Note" geben und diese in eine Ecke des Bogens schreiben.

Natürlich freue ich mich über positive Rückmeldungen und im letzten Jahr gab es plötzlich auch eine 1 + mit Sternchen, obwohl ich bewusst die gleichen Noten genommen habe, welche es auch im Schulalltag gibt. (Ich hab mich jedoch natürlich darüber gefreut ;)) Noch wertvoller sind für mich jedoch die Kommentare und Gedanken, die hinter den Antworten stehen. Oft erfahre ich dadurch, welche Methoden besonders gut angekommen sind, welche Themen nachhaltig in Erinnerung geblieben sind oder welche Ideen die Kinder und Jugendlichen für kommende Stunden haben.

Gehört werden macht einen Unterschied

Bereits im vergangenen Schuljahr habe ich diese Evaluation durchgeführt und die Resonanz war durchweg positiv. Viele Schüler fanden es spannend, dass auch sie einmal Feedback geben durften. Einige berichteten sogar, dass sie sich dadurch ernst genommen und wertgeschätzt fühlten. Für mich war das eine wichtige Erinnerung daran, wie bedeutsam Partizipation im Schulalltag ist. Kinder und Jugendliche möchten gehört werden. Sie möchten erleben, dass ihre Meinung zählt und dass sie Einfluss auf die Gestaltung ihrer Lern- und Lebenswelt haben können. Genau das ermöglicht eine Evaluation. Natürlich erhält man nicht ausschließlich positives Feedback und das ist auch gut so. Denn das Ziel einer Evaluation ist nicht, möglichst viele Komplimente zu sammeln. Vielmehr bietet sie die Möglichkeit, die eigene Arbeit zu reflektieren und neue Perspektiven kennenzulernen. Manche Rückmeldungen bestätigen mich in meinem Vorgehen. Andere bringen mich zum Nachdenken oder geben mir Ideen für zukünftige Stunden. Genau diese Mischung macht die Evaluation für mich so wertvoll. Schließlich erwarten wir von Kindern und Jugendlichen, dass sie offen für Rückmeldungen sind und aus ihnen lernen. Warum sollten wir als Fachkräfte nicht dasselbe tun.

Mein Evaluationsbogen für euch

Da mich immer wieder Kollegen fragen, wie ich die Evaluation durchführe, stelle ich euch meinen selbst entwickelten und bereits erprobten Evaluationsbogen gerne zur Verfügung. Ihr dürft ihn kostenlos nutzen, an eure Bedürfnisse anpassen oder euch einfach davon inspirieren lassen. Vielleicht wird er ja auch für euch zu einem festen Bestandteil eures Schuljahresabschlusses. Denn manchmal sind es gerade die ehrlichen Worte unserer Schülern, die uns zeigen, was wirklich zählt und vielleicht sollten wir ihnen viel öfter die Gelegenheit geben, diese auszusprechen.

Führt ihr bereits eine Evaluation durch? Falls ja, schreibt mir gern in den Kommentaren eure Erfahrungen! In Liebe Eure Sozialpädagogin mit Herz (:

 
 
 

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